Koryû Uchinâdi Yûdanshakai mit Olaf Krey kyôshi in Schierke 30.1.-1.2.2026

Schneegefühle

Gefrorenes Wasser, das in kleinen Kristallen oder flockigen Agglomeraten solcher vom Himmel fällt, bei Minusgraden pulvrig bis matschig auf Oberflächen sich darnieder legt und weiß, glitzernd erscheint, erfreut die meisten Kinder und auch viele Erwachsene. Die Naturerscheinung ermöglicht durch Schneeballschlacht, künstlerisches Bauen und Schaffen als auch diverse Fortbewegungsarten durch und auf ihm gleitend Freude, Spaß, Spiel und Sport. Dadurch, dass der Schneeteppich Geräusch und Schall besser zu streuen vermag, betäubt, dämpft entschleunigt er. Gleichzeitig reflektiert er jedes Licht viel besser und hellt damit die dunklere Jahreszeit auf, bedeckt auch die sonst eher dröge, kahle Winterflora puderzuckerhaft mit etwas Zierde. Daher kommt wohl die Idylle und Romantik, die der verschneiten Winterlandschaft innewohnt, die knirschenden Schrittes zur Erkundung einlädt.

Ich sehe das mittlerweile anders. Zunächst fühle ich die unangenehme nasse Kälte oder kalte Nässe, spüre die Beschwerlichkeit der Fortbewegung, bin genervt davon, um es etwas erträglich zu haben, viele Lagen dicker Kleidung anziehen zu müssen und sehne mich nach Blätter- und Blütenpracht des Frühlings- und Sommerwuchses. Ich kann dem Schneespaziergang und dem oben beschriebenen schon etwas abgewinnen, aber ich kann gern darauf verzichten, fühle mich ohne viel wohler. Kangeiko heißt das japanische Wort, das Übung bei oder in der Kälte bedeuten kann und für mich wurden Schnee und Kälte beziehungsweise mich ihnen auszusetzen, selbst zu Übungsformen am Wochenende. Das Treffen der Tragenden eines schwarzen Gürtels im Koryu Uchinadi Kenpo Jutsu Deutschlands bot wegen seiner diesmal früheren Lage im Jahr mit dem Austragungsort Schierke am Fuße des Brocken und eben wegen der Witterungsbedingungen reichlich Schnee bei frostigen Temperaturen und damit auch wegen der traditionellen Wanderung eine Auseinandersetzung mit meinen Unbequemlichkeiten – also reichlich Stoff zum Üben. Lieber hätte ich nach zweistündigem Erklimmen des Berges, eisigem Wind auf seinem Gipfel und wieder Abstieg nicht anschließend gleich draußen weiter mit den Übungswaffen Kama trainiert. Lieber hätte ich einen heißen Kaffee getrunken und mich im beheizten Inneren der Schierker Baude mit meinen trockenen Gi bekleidet und im warmen Trainingsraum geübt. Anderen stellt es vielleicht vor größere Herausforderungen, eine Kata zu lernen und zu erinnern, Formen unter Druck abzurufen, Ungewissheiten verschiedener Deutungsmöglichkeiten bei Anwendungen zu ertragen, die Einschränkungen des Körpers durch Verletzungen zu spüren oder mit Personen im Bodenkampf, die erfahrener oder/und massiger sind, zu bestehen. Jede und jeder hat eben Schwächen wie auch Stärken. Im Umgang mit den Unzulänglichkeiten kann es helfen, sich das vorzunehmen:

Locker bleiben. Das Schöne oder Lehrreiche daran sehen. Annehmen. Anpassen. Weiter gehen. Dem Prozess und der Annäherung an ein mögliches Ziel dessen durch Beharrlichkeit vertrauen!

Danke an Olaf, danke an alle!

Felix Hommel