空手道・Karate-dō

Was ist Karate?

Die Leere Hand ( japanisch: 空手, karate) ist heutzutage – je nach favorisierten Übungsinhalten – eine Kampfkunst mit Potential zur persönlichkeitsformenden Selbstschau auf dem Lebensweg (japanisch: 道, ) oder ein wettkampforientierter Kampfsport. Auch wenn die Genese des Karate ohne chinesische und andere asiatische Einflüsse undenkbar ist, gilt als sein Entstehungsgebiet der heute zu Japan gehörende Ryūkyū-Archipel mit der Hauptinsel Okinawa. Karate ist seinem Ursprung nach ein Methodenkomplex der zivilen, waffenlosen Selbstverteidigung gegen Akte körperlicher Gewalt. Diese werden in der Übung hinsichtlich ihrer Ausführung bzw. Wirkung analysiert und als potentielle Probleme aufgefasst, die Lösungen bedürfen.

Akte körperlicher Gewalt
  • Schlagen, Stoßen, Schubsen und Treten
  • (Um-)Werfen bzw. Zu-Boden-Bringen
  • Überbeugung, Überstreckung oder Verdrehung von Gelenken
  • Unterbrechen der Atmung oder des Blutkreislaufs
  • Festhalten und Umklammern
  • Greifen und Drücken schmerzempfindlicher Körperpartien
Kata – Die zentrale Übungsmethode

Gegen diese möglichen Aggressionen werden mit dem Ziel der körperlichen Unversehrtheit funktional-sinnvolle Verhaltensweisen erlernt, zusammengefasst und schließlich in festgelegten, allein oder mit Partner(-n) auszuführenden Bewegungsabläufen (japanisch 形 oder 型 , kata) routiniert.

Beispiel für eine Kata
Kata Aragaki Seisan als Partner- und Soloübung (Josh Stewart – KU Canada)

Einige der allein auszuführenden kata sind recht alt und können als Allgemeingut vieler Karate-Stile erachtet werden. Aufgrund unterschiedlicher Überlieferungswege weisen sie jedoch heute mannigfaltige Ausführungs- und Deutungsunterschiede auf. Andere kata sind jüngeren Entstehungsdatums und in ihrer Intention klar nachvollziehbar.


Koryū Uchinādi Kenpō Jutsu

… ist die Bezeichnung für die von Patrick McCarthy hanshi (10.Dan) begründete Auffassung von Karate als zivile, waffenlose Selbstverteidigung, die ihre Wurzeln in den Traditionen ( 古流, koryū) der Kampfmethodik Okinawas (沖縄手, uchinādi) und Chinas (拳法術, kenpōjutsu) hat und diese mit zeitgemäßen Erkenntnissen mehrerer Wissenschaften verbindet. Zum Beispiel:

  • Kriminologie: Typisierung von Akten körperlicher Gewaltausübung
  • östliche und westliche Medizin: anatomische und energetische Strukturen des menschlichen Körpers
  • Physik: Hebelgesetze, Kinetik etc.
  • Psychologie: Kampftaktik
  • Historiographie: Geschichte der (insbesondere südchinesisch-okinawanischen) Kampfkünste
  • Didaktik: Prinzipien der Wissensvermittlung
Wer ist Patrick McCarthy hanshi?

Patrick McCarthy, geb. 1954 in Vancouver (Kanada), gilt in der Karate-Welt der Moderne zum einen als maßgebliche Instanz in der Erforschung

der historischen Ursprünge der okinawanischen Kampfkünste, zum anderen hat er als Re- und Innovator einen entscheidenden Beitrag zur Rückbesinnung auf die teilweise schon verloren geglaubte technische Komplexität des Karate, insbesondere der überlieferten Formen (kata) geleistet. Den konsequente Einsatz bewegungskontinuierlicher Partner-Übungen (futari renzoku geiko) zur Routinierung kämpferischer Fertigkeiten betrachtet er als die Quintessenz seiner langjährigen kampfmethodischen Studien innerhalb und außerhalb des Karate-Kontextes.

Basis-Übungen des Koryū Uchinādi

Anfänger werden anhand eines Curriculums in die technische Vielfalt des Karate und das Verständnis des Phänomens kata mit einer Reihe grundlegender Übungen (入門, nyūmon) eingeführt. Die meisten davon sollen nach und nach sowohl zu zweit als auch allein ausgeführt werden können.