Parkett-Arbeiten im Fûryûkan, 30.3. bis 6.4.2026

Je länger man übt, mit desto mehr Übungsinhalten beschäftigt man sich, aus desto mehr Richtungen bewegt man sich auf vermeintlich bekannte Lehrinhalte zu, nimmt sie von immer wieder anderen Perspektiven in den Blick, wird dabei für immer mehr zuvor unbemerkte Details sensibel, so dass dieses Mehr im besten Falle nicht nur flach bleibt, also lediglich eine größere Fläche an Wissen und Können generiert, sondern sich vielmehr mit der Zeit in die Dimension erfahrungsräumlicher Verständnistiefe weitet. Die rechte Balance aus Quantität und Qualität ist dabei in den Bewegungskünsten nicht ohne eine stetig zurück zum Anfang pendelnde Hinwendung zu den Basis-Übungen der Kunst zu erreichen, die immer wieder trainierend geschliffen werden. Genau genommen werden dabei nicht die jeweiligen Bewegungsabläufe geschliffen, sondern die Übenden selbst. Die gewählte Übung ist die Feile, deren Körnung bzw. Grit-Zahl von der bereits erreichten Sensitivität der Übenden abhängt.
Manchmal wird das Schleifen der Basis auch ganz gegenständlich, so wie in der Woche vor Ostern des Jahres 2026 im Fûryûkan. Das Hochkantlamellenparkett, das fast zwei Dekaden zuvor in die vormalige Bettenschneiderei eingebracht wurde, hatte über die Jahre ein paar Risse und andere Abnutzungsschäden erlitten, so dass es nun zum ersten Mal seit Dôjô-Eröffnung vor 19 Jahren abgeschliffen und neu versiegelt werden musste. Das bedeutete ein fast vollständiges Ausräumen des Übungsraums, verhüllendes Abhängen der Wände sowie eine Verlagerung einzelner Trainings ins Freie. Letztere erinnerten – auch wegen der Wahl des Übungsorts im Königsbrücker Via-Regia-Park – etwas an die Corona-Pandemie und vergegenwärtigten das Bewusstsein dafür, dass vermeintlich Selbstverständliches wie ein den Fûryûka zur Verfügung stehender Fûryûkan eben doch nicht selbstverständlich ist, sondern steter Bemühung und Sensitivität wie die Übung selbst bedarf. Was im Dôjô Risse und Abnutzungsschäden sind, sind bei den Fûryûka Bequemlichkeitsfehler und andere Nachlässigkeiten, denen die Übenden am besten begegnen können, indem sie Basisbewegungen wiederholend schleifen und bis hin zum Glanz der Effizienz polieren. Hendrik Felber