Michael Frank sensei am 30.Oktober 2026 im Fūryūkan
Time it was and what a time it was
It was a time of innocence
A time of confidences
Long ago it must be
I have a photograph
Preserve your memories
They’re all that’s left you
Paul Simon

Am Sonntag, dem 30.Juni 1991 war ich erstmals in meinem Leben in Guben an der polnischen Grenze. Mein damaliger Übungsleiter kutschierte mich und ein paar Mitstreiter dorthin, weil wir anlässlich eines Seminars, das damals noch „Lehrgang“ hieß, an einer initialen Karate-Prüfung teilnehmen sollten. An deren Verlauf habe ich kaum Erinnerungen; es gibt davon keine Fotos, nur noch einen Stempel. Lediglich schemenhaft ahne ich, mit welcher Freude die Rückfahrt nach Königsbrück verbunden gewesen sein muss, die Berechtigung zum Tragen eines gelben Gürtels „in der Tasche“. Dass ich bei dieser Gelegenheit die Kata Heian Sandan gelernt habe, weiß ich noch. Und, dass ich an diesem Tag einen jungen Mann kennenlernen durfte, der damals das Gubener Dōjō leitete und der mich seitdem auf meinem Weg der leeren Hand als Freund und Dōhai begleitet: Michael Frank. Dieses „Seitdem“ sind inzwischen 35 Jahre, in denen wir – bei aller Unterschiedlichkeit unserer Voraussetzungen und bei aller Individualität unserer Wege – immer wieder nach Gelegenheiten gesucht haben und weiterhin suchen, miteinander zu üben, von denselben Lehrern zu lernen oder unsere eigenen Schüler über den sprichwörtlichen Tellerrand blicken zu lassen, wie dies zuletzt wieder am 30.Oktober 2026 geschehen ist: O-Soto-Gari, Keri waza und Kenjutsu waren unsere Themen im Fūryūkan. Weder die lokale Distanz, noch unterschiedliche Übungsschwerpunkte noch Trennungsversuche Dritter konnten uns bis heute von einander lösen. Komplettiert hat unsere Freude an diesem Freitag-Abend Lutz, der ähnlich lange wie wir zwei übt und nach wie vor unserer Kunst und uns verbunden ist. In Summe prallten so über 100 Jahre Kampfkunsterfahrung in diesem Training auf ein paar Teenager-Fūryūka, die sichtlich beeindruckt von Michaels Expertise und der Historizität unserer Begegnung waren. Werden sie in 35 Jahren von Vergleichbarem berichten können? Hendrik Felber

